Geschichte Der Musiker und vielseitige Künstler Alois Senefelder erfand vor rund 200 Jahren den Steindruck.
Glücklich, ein billiges Reproduktionsverfahren für seine Noten gefunden zu haben, ahnte er nicht, wie nachhaltig der Einfluss seiner revolutionären Erfindung auf Kunstschaffen und Drucktechnik sein würde.
Sie ist Grundlage des heutigen Offsetdrucks, der auf dem selben Prinzip beruht.Die Technik des Lithographierens breitete sich schnell aus. In Paris schuf Peter Friedrich André, der ab 1802 wie Senefelder Musiknoten druckte, schon bald erste Kunstwerke mit Bergeret und Susemihl in der "nouvelle méthode de graver et imprimer". Von da an war der Steindruck nicht mehr allein eine Möglichkeit, günstig, sozusagen industriell zu reproduzieren. Er wurde nun auch zur Herausforderung für viele Künstler von damals bis heute. Die grosse Zeit der Lithographie begann etwa 1814 mit Delacroix und Gigricault. Einer der genialsten Künstler, der sich schon 1819 der Lithographie zuwandte, war Francisco de Goya.
Der legendäre Zeichner und Karikaturist Honoré Daumier schuf insgesamt 4000 lithographische Arbeiten, von denen er viele in Wochen- und Tageszeitungen veröffentlichte.Nach dem Tod Daumiers flachte die künstlerische Substanz der lithographischen Werke ab.
Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts wandten sich wieder mehr und bekannte Maler dem Lithographieren zu. So versuchten sich Manet, Corot und Degas in dieser Kunst, Zeitgenossen wie Pissarro und Cézanne folgten ihnen. Die Lithographien von Henri Toulouse-Lautrec haben Weltgeltung erlangt. Er schuf die 380 Werke alle in den letzten zehn Jahren seines Lebens. Auch Eduard Munch hinterliess ein umfangreiches lithographisches Werk. "Der Schrei", 1895 entstanden, ist sein bekanntestes Blatt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewann die Druckgraphik stark an Bedeutung. Ihre spezifischen Ausdruckswerte und Möglichkeiten verlockte die Künstler zum Experimentieren. Neben künstlerischen Intentionen floss nun auch die besondere Charakteristik der Druckverfahren in ihre Arbeit ein. Vor allem die Lithographie war es, die neben dem Radieren die Künstler in starkem Mass anregte. Matisse, Braque, Chagall, Miro, Klee, um nur einige zu nennen, arbeiteten auf dem Stein. Ein Maler aber vor allem, setzte für die Lithographie unserer Zeit neue künstlerische Massstäbe: Pablo Picasso, der sich mit wahrer Besessenheit dieser Kunst widmete. Ursprünglich lediglich als Mittel zur Reproduktion gedacht, hat die Technik der Lithographie seit ihrer Erfindung das künstlerische Schaffen beflügelt und belebt die graphischen Kunst immer wieder mit neuen Impulsen. |

Alois Senefelder, 1834, Lithographie (Kreide) von Fr. Hanfstaengel
Honoré Daumier: Der allmächtige Kritiker, 1865, Lithographie (Kreide)
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